Brigitte Reiser schrieb neulich über das Sozialkapital, das durch den Einsatz von Social Media im dritten Sektor gebildet werden soll. Seit dem ich für die Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland in Berlin unterwegs bin, habe ich des Häufigeren schon gehört, was denn so alles soziales Kapital bilden soll. Allem voran bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt. Doch wie soll das denn genau von statten gehen? Was ist eigentlich soziales Kapital? Und vor allem: Stimmt es, dass unsere Demokratie -- oder noch schärfer: unsere Gesellschaft -- durch soziales Kapital „besser“ wird? ...
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Samstag, 10. Januar 2009
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4 Kommentare:
Ich betrachte das Konzept des Sozialen Kapitals primär vom Blickwinkel der Nonprofit-Organisation aus. Und zwar lege ich meinen Überlegungen austauschtheoretische Ansätze zugrunde.Von einer engen Kooperation mit der Bürgerschaft auf der Basis von Netzwerken profitieren beide Seiten: die NPO gewinnt Ressourcen (im weitesten Sinne), der Bürger im Idealfall Partizipationsmöglichkeiten. Das ist eine ganz nutzenorientierte, nicht-idealistische Betrachtungsweise.
Der Austausch muss zum Gleichgewicht tendieren, wenn er Bestand haben soll. Dies gegen Bourdieu: so einfach ist es nicht, einseitig die Interessen einer Gruppe durchzusetzen, wenn eine Beziehung Zukunft haben soll.
Vielen Dank Frau Reiser. Ich habe mitlerweile die Befürchtung, dass es soviele Sozialkapital-Konzepte wie Positionen im gesellschaftlichen Raum gibt ;-). An die der NPOs habe ich noch überhaupt nicht gedacht -- obwohl das natürlich auch eine Möglichkeit ist. Ich denke eher an die Position der (online) Engagierten. ...
Engagement hat nicht mehr die Kraft verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenzubringen. Dieser Effekt wurde von verschiedenen Autoren rund um Putnam auch beschrieben ("Sozialdimension" Offe u. Fuchs (2001)). Es gibt jedoch durchaus Institutionen fern ab von den genannten zentralstaatlichen, die in der Lage waren brückenbildend zu sein, also heterogen und somit Menschen mit viel und wenig Sozialkapital zusammenzubringen. In der Literatur werden dazu z.B. Gewerkschaften genannt. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass heute keine Institutionen mehr vorhanden sind, die diesen Zusammenhalt herstellen können.
Es gibt aber durchaus Initiativen, denen das heute zumindest im Kleinen gelingt: Z.B. WikiWoods, denn zum Spaten zu greifen und Wälder mitzupflanzen bringt sehr unterschiedliche Menschen zusammen (niedrige Hürde), die während das Pflanzens gleich sind, egal wieviel Sozialkapital sie stammen.
Hallo Ingo, vielen Dank für dein Kommentar. Sicherlich spielst du auf den Tweet von letzter Woche an (04.05. 4:38 PM).
Was das Bridging Social Capital angeht, denke ich, dass es dies, so wie es Putnam beschrieben hat eigentlich nicht gibt. Wiliam T. Coleman hat es auf einem Congress zu "Civic Engagement on the Move" (2008) auf den Punkt gebracht.
Er meinte, dass wir in jedem Abschnitt unseres Lebens immer wieder verschiedene Identitäten annehmen -- wir schlüpfen in immer neue Rollen -- was uns dazu befähigt immer andere Menschen als 'Gleiche' anzuerkennen und mit ihnen zu kolaborieren. Freilich kann diese Art der Zusammenarbeit nur das so genannte Bonding Social Capital erzeugen, doch ausgehend von dem Sozialkapitalkonzept Boudieus, das weniger die Harmonie als die Unterschiede zwischen Mitgliedern der Gesellschaft hervorhebt, ist der Nutzen für das einzelne Individuum der Nutzen für die gesammte Gesellschaft.
Das Sozialkapital als Rückhalt in einem Netzwerk aus Bekanntschaften ist also -- auch via Internet -- eine individuelle Ressource, die durch Vernetzung engagierter Menschen geschaffen wird.
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